Keine sichere Finanzierung des Frauenhauses

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In den meisten Partnerschaften gibt es im Laufe der Zeit mehr oder weniger heftige Auseinandersetzungen. Solange sie konstruktiv geführt werden ist dies auch gut und notwendig. Sie können eine Partnerschaft wachsen lassen.
Wenn nun aber die anfänglichen verbalen Auseinandersetzungen in physischer und psychischer Gewalt enden, so ist diese in den aller meisten Fällen gegen Frauen und Kinder gerichtet.

Diesen Frauen und Kindern muss, wenn ein polizeilicher Verweis des Aggressors nicht ausreicht, ein Flucht- und Rückzugspunkt ermöglicht werden. Die Nutzung eines solchen Flucht- und Rückzugspunktes wurde in der Vergangenheit wegen eines Brandes im Hagener Frauenhaus stark eingeschränkt.
Die Eigentümerin des Gebäudes (ga.ge.we) hat die Immobilie zwar mit den Mindestanforderungen des Brandschutzes nachgerüstet, aber weitere dringende Modernisierung abgelehnt. Erschwerend kommt beim Hagener Frauenhaus hinzu, dass die selbst ausgebauten Dachgeschossräume baupolizeilich geschlossen werden mussten, sodass weniger Platz zur Verfügung steht. Deshalb wird nun dringend eine passende Immobilie gesucht.

Allein in Nordrhein-Westfalen mussten mehr als 5000 Aufnahmeanfragen in Frauenhäusern wegen Platzmangels zurückgewiesen werden (hierbei könnten allerdings Frauen mehrfach gezählt worden sein, wenn sie in mehreren Frauen-
häusern angefragt haben).
Die geregelte Bereitstellung und Finanzierung von Frauenhaus-
plätzen, die Finanzierung von Unterstützung, Beratung und Betreuung von misshandelten Frauen und Kindern zählt bis heute nicht zu den Pflichtaufgaben von Ländern und Kommunen und kann von Bundesland zu Bundesland, von Kommune zu Kommune sowohl in der Höhe der Finanzierung als auch in den finanziellen Konsequenzen für die betroffenen Frauen und ihren Kindern völlig unterschiedlich sein.
Sie zählt häufig zu den so genannten freiwilligen Leistungen von Kommunen und Ländern und ist damit von heute auf morgen widerrufbar, was z. B. die Frauenhäuser in NRW in den letzten Jahren empfindlich zu spüren bekamen.

Die Stadt Hagen steht in der Verantwortung. Es reicht nicht aus, gönnerhaft einen Obolus aus dem Sparkassenüberschuss zu offerieren. Die Stadt Hagen ist gefordert ausreichende Finanzmittel zu requirieren und zur Verfügung zu stellen. Außerdem muss die Stadt Hagen bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie ihre volle Unterstützung zusagen.

Quellen: Westfälische Rundschau vom 29.06., Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF)

Eine Antwort to “Keine sichere Finanzierung des Frauenhauses”

  1. Harald Wenk Says:

    „Einen Ausweg finden“ steht in Kafkas Bericht an die Akademie.
    Habe ich jemanden alle Auswege versperrt oder er/sie hat eben keinen, habe ich ihn in der Hand.
    In der Ökonomie gibt es die Differentialrente II, die vom
    schlechtesten notwendig zu bebauenden Boden bestimmt wird.
    Der „worst case“ spielt im Normalalltag eine viel größere Rolle, als offensichtlich ist. Das ist Hegesl „Mitte durch die Extreme“.
    Nicht nur im Schach, auch in der ökonomischen Spieltheorie, ist „die Drohung oft schlimmer als die Erfüllung“.
    Das Extrem der psychischen und körperlichen Vernichtung beziehungsweise umgekehrt die Garantie der körperlichen und psychischen Unversehrtheit sind notwendige Bedingung jeglichen Wachstums udn Gesundheit der Seele, da diese bekanntlich von der Angst aufgegessen wird.
    Insofern bräuchte man das Frauenhaus, selbst wenn seit Generationen keine Frau gekommen wäre.
    Auch der „Dampf“ in der Sozialgesetzgebung kommt daher.
    Diese existentiellen Dinge sind so bekannt, dass der dauernde Ausgang von realen Auslastungen oder Zustandsbeschreibungen in Politik und Verwaltung und Wirtschaft einer freiwillgen folgenreichen Verdummung gleichkommt – oder eben einer perfiden „Politik der Angst“, die eben
    die Angst ausznutzt. Die allgemeine Einschätzung, dass der Schaden immens größer ist als der Nutzen ist, wird eben durch jene statistkibasierte Grundlage und Zahlenökonomisierung von Entscheidungen wirklich verdrängt.
    Die Unerfüllbarkeit der Wünsche durch endliche Ressourcen ist
    das von sehr alters her Totschlagargument des moralischen Sinnes
    in der „Realpolitik“. „Am falschesten Ende gespart, wo man sparen kann“
    ist der durchaus zutreffende Schrei des Restes des verängten Sinnes.
    Die Variante geht dann mit „das sagen alle“ ins Beckettsche Endspiel über.

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