Verkehr a tergo

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Es ist ein alter Wunsch von Stadtverwaltung und Ratsmehrheit: Ein Teil des überbordenden Individualverkehrs soll hinter den Hauptbahnhof verlegt werden. Versprochen wird dafür eine maßgebliche Entlastung des Straßenzuges Wehringhauser Str./ Graf-von-Galen-Ring. Ob diese Problemlösung „a tergo“ funktionieren wird, ist eine andere Frage. Tatsache im Fall der Umsetzung ist jedenfalls, daß 19,1 Mio. Euro allein für den 1. Bauabschnitt zwischen Dieckstr. und Weidestr. fließen müssen. Davon 7 Mio. Euro aus der Stadtkasse  – während ansonsten nichts mehr gehen soll.

Stellung genommen zu dem Planungsvorhaben hat jetzt die Bezirksgruppe Berg-Mark der Vereinigung freischaffender Architekten Deutschlands (VFA). Wir zitieren auszugsweise:

Die Stadt Hagen hat der Bahnhofshinterfahrung auf Verlangen der Bezirksregierung erste Priorität eingeräumt mit ausdrücklicher Zurückstellung aller anderen baulichen Investitionen. Das Teilprojekt 1. BA würde die Mittel der Stadt Hagen über Jahrzehnte binden, während Stadtteile wie Altenhagen, Wehringhausen oder Oberhagen verwahrlosen. Sämtliche Maßnahmen sind völlig überdimensioniert und zum grossen Teil entbehrlich.

Die im Entwurf ausgewiesenen Verkehrsbauwerke mit Lärmschutz verbrauchen im gesamten zu entwickelnden Bereich zwischen Reh- und Weidestrasse mehr als 1/2 der Flächen. Eine vergleichbare Wohnung zu 100 qm hätte also 50 qm Flur mit Lärmschutztüren und noch 50 qm nutzbare Wohnräume! Das Gebiet wird durch die Verkehrstrasse an falscher Stelle diagonal zerschnitten, sodass die Restflächen schwer zu nutzen sind. Weil die Strasse über 400 m dicht an der Ennepe geführt wird werden teuere Rammarbeiten, Stützmauern und Sanierungen erforderlich, deren Kosten, wie in der Verwaltungsvorlage angezeigt, nicht kalkulierbar sind. Auch die Sanierung der Altlastflächen kann nicht kalkuliert werden.

Die vorgestellte Planung provoziert zu aufwendigen Uferbauwerken, obwohl hier eigentlich die Brechung der Uferkanten zur Ausweitung des Flussbettes angesagt ist. Wie soll sonst das Hochwasser bewältigt werden, wenn nicht mit zusätzlichen Bauwerken?

Der erste BA würde die Chance zunichte machen, Wehringhausen an den Fluss zu bringen oder die Ennepe in das Stadtbild zu integrieren. Es ist nicht sinnvoll einen Fluss zu kanalisieren, weil es immer teuer ist gegen die Natur zu bauen. Schön sind zwar die Bäume an der Ufermauer für Radfahrer, weniger aber für Fussgänger, die jenseits der 4- bis 6-spurigen Umgehungsstrasse an der 4 m hohen Lärmschutzwand gehen.

Die VFA macht die Vorschläge:

Die Ausbauplanung ist zurückzustellen. Aus den Vorarbeiten wird erkennbar, dass folgende Vorschläge geprüft werden müssen:

Zur Umfahrung des Bodelschwinghplatzes genügt eine zweispurige Trasse mit Nutzung der Bauflächen hinter den Gebäuden der Wehringhauser Strasse, anstelle einer 4 m hohen Lärmschutzmauer mit Hinterhof. Die Planung des Bodelschwinghplatzes ist vorbereitet. Falls die Hinterfahrung nicht gelingt, sind keine unnötigen Kosten für Hagen, NRW oder den Steuerzahler in den Sand gesetzt.

Die Bahnhofshinterfahrung macht nur Sinn, wenn auch der Stadtteil Wehringhausen umfahren wird und die Einbindung auf Höhe der Rehstrasse erfolgt. Dort stehen nur Abbruchhäuser und Verschläge. Die Kreuzung ist frei geräumt.

Für das Gebiet Tallage Wehringhausen zwischen Reh- und Taubenstrasse, Kuhlerkamp und S-Bahnlinie sollte eine Stadtteilplanung aufgestellt sein oder werden mit den Zielen Rückbau des baulichen Bestandes, Renaturierung der Lenneauen mit Ausweitung des Flussprofils für den Hochwasserschutz, Nutzung für nicht störendes Kleingewerbe, kein Einzelhandel auf Kosten von Wehringhausen und der Innenstadt (EH-Plan) und Erlebnisraum für Wehringhausen am Fluss.

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